Zöllner-Männerchor Bernburg e.V.

Besuch der Liedertafel in Bernburg

Artikel aus der MZ vom 28.8.09



Erstes gemeinsames Konzert vor 50 Jahren

Ost-west-deutsche Chortradition: 1959 fand die erste Begegnung statt

VON PAUL SPENGLER, 28.08.09, 17:31h, aktualisiert 28.08.09, 19:58h

Der Bernburger Zöllner-Chor hält seine Chorproben traditionell in der Sekundarschule «Heinrich Heine» ab. (FOTO/REPRO: ENGELBERT PÜLICHER)

BERNBURG/MZ. Es war im Oktober 1959, als die Hamburger Liedertafel von 1823 zum ersten Mal bei dem Zöllner-Männerchor in Bernburg zu Besuch war. In diesem Jahr jährt sich die deutsch-deutsche Sängerfreundschaft zum 50. Mal. Dazwischen lagen jedoch auch 26 Jahre, in denen in Folge der deutschen Teilung keine offiziellen Kontakte ermöglicht wurden. Ende dieser Woche kommt der traditionsreichste Hamburger Chor erneut nach Bernburg. Höhepunkt ist ein gemeinsames Chorkonzert beider Chöre am Samstag, 5. September, um 17 Uhr in der Marienkirche.
Peter Bethge, 25 Jahre lang zweiter Vorsitzender des Zöllnerchores, ist schon seit vielen Jahren mit beiden Chören verbunden. 1959 war bereits Bethges Vater Werner - der ebenfalls 25 Jahre dem Vorstand angehörte - bei dem Treffen beider Chöre dabei. Zu einem großen Ereignis für die Bernburger wurde vor allem der April 1960, als nach dreijährigen Bemühungen endlich die Fahrt nach Hamburg genehmigt wurde. Mitte der 1950er Jahre konnten die Bernburger schon zuvor bei Konzerten in Goslar und Hameln auftreten.
In einem Sonderwagen der Deutschen Reichsbahn fuhren die Zöllner in die Hansestadt, um am 9. April ein Gemeinschaftskonzert unter dem Motto "Im Lied vereint" zu feiern. "Die rund 2 500 Personen fassende Musikhalle war bis auf den letzten Platz gefüllt", schreibt Peter Bethge in einem Beitrag zum 50-jährigen deutsch-deutschen Treffen. Beendet wurde das Konzert mit Mozarts "Brüder reicht die Hand zum Bunde", ein Lied, das auch zum Ende der künftigen gemeinsamen Chorkonzerte immer wieder angestimmt wurde.
1963 - inzwischen stand die Berliner Mauer - konnten die Hamburger unter Leitung von Professor Otto Stöterau noch einmal zu einem Gemeinschaftskonzert in Bernburg auftreten. "Mehr noch als zuvor war dieses Treffen eine Willensbekundung zur Einheit Deutschlands", schreibt Bethge. Bei dem gemeinsamen Schlusschor reichten sich die Sänger spontan die Hände und das Publikum im Kurhaus erhob sich demonstrativ von den Plätzen. Es war für 26 Jahre der letzte offizielle Kontakt zwischen beiden Chören, auch wenn manche private Kontakte weiter bestehen blieben.
Nach der Wende luden die Bernburger ihre Gäste im Februar 1990 erstmals wieder zum Fasching nach Bernburg ein. Im Juni des gleichen Jahres waren die Zöllner dann Gast der traditionsreichen Spargelmahlzeit der Hamburger Liederschaft. Im Grundsteinkeller des Hamburger Rathauses erklang in Erwartung der Deutschen Einheit die dritte Strophe des "Lieds der Deutschen".
Es folgten weitere Begegnungen. 1991 war die Hamburger Liedertafel ebenso in Bernburg zu Gast wie 1996 beim 150-jährigen Jubiläum des Chores. Das letzte Treffen fand 2002 in Lüneburg statt. Die Hamburger haben auch die Sanierung der Marienkirche unterstützt, die zur Wende noch eine Ruine war. Daher ist auch im diesjährigen Besuchsprogramm vor dem gemeinsamen Konzert eine Führung durch die Marienkirche geplant.
"Es liegt an beiden Seiten, den Kontakt aufrecht zu erhalten", sagt Bethge. Das Treffen in diesem Jahr soll dazu beitragen. Immerhin unterhält die traditionsreiche Hamburger Liedertafel - der wahrscheinlich älteste noch existierende reine Männerchor Deutschlands - auch internationale Beziehungen nach Marseille, Helsinki und Prag. Die Zöllner hoffen, dass diese Verbindung auch in Zukunft nicht abreißen wird.

Quelle: http://www.mz-web.d

Artikel aus der MZ vom 7.9.09



«Brüder, reicht die Hand zum Bunde»

Die Hamburger Liedertafel und der Zöllner-Männerchor Bernburg gaben am Samstag anlässlich ihrer 50-jährigen Partnerschaft ein gemeinsames Konzert in der Bernburger Marienkirche. (FOTO: SUSANNE THON)
BERNBURG/MZ. Über zu geringe Resonanz brauchte sich der Zöllner-Männerchor von 1846 bei seinem Jubiläumskonzert zur 50-jährigen Partnerschaft mit der Hamburger Liedertafel von 1823 nicht beklagen. Die Marienkirche war am späten Samstagnachmittag mit rund 250 Besuchern bis in die letzten Reihen gefüllt, als die beiden Traditionschöre dem Publikum ein abwechslungsreiches Programm boten. Die Spenden, die statt Eintritt erbeten wurden, kommen der Erneuerung der Orgel zugute.
Das Konzert war von geistlichen wie von volkstümlichen Liedern geprägt. Volltönend erklangen zu Beginn die Stimmen der Zöllner unter Leitung von Peter Blail bei "Schäfers Sonntagslied" von Konradin Kreutzer, gefolgt von anrührenden Silcher-Melodien wie "Am Brunnen vor dem Tore" und "In einem kühlen Grunde".
Mit Tebje Pojem interpretierten die Liedertäfler einen Auszug aus einer russischen Messe von Dimitri Bortnianski. Es folgten weitere sakrale Lieder in lateinischer, italienischer und russischer Sprache, bevor mit La Mer von Charles Trenet ein populäres französisches Chanson rhythmisch und heiter angestimmt wurde. Ein Lied von Udo Jürgens verlockte das Publikum schließlich zu lang anhaltendem Beifall. "Ihr von morgen" spricht von der Hoffnung, dass jede neue Generation ihren eigenen Weg findet. Die Hamburger Liedertafel unter Leitung von Günter Wolf hatte diesen Titel an das Ende ihres ersten Auftrittsblocks platziert.
Starken Beifall bekamen auch die heimischen Zöllner, als sie - in kleinerer Besetzung - die "Unendliche Freude" von Franz Schubert interpretierten. Als zum Ende Mozarts "Brüder reicht die Hand zum Bunde" traditionell von beiden Chören gemeinsam erklang, war der feierlichste Moment in der 1222 erbauten Bernburger Marienkirche erreicht.
Vor dem Konzert hatte Pfarrer Johannes Lewek den Gästen die Baugeschichte der Kirche anschaulich erläutert. Lewek schilderte die Entwicklung von der Gründung im Mittelalter über die Reformationszeit bis zur heutigen romantisch geprägten Gestaltung des Altarraums mit den zwölf Aposteln und dem großen Kruzifix aus dem Jahre 1873.
Zu dem Gotteshaus haben die Gäste seit der Wende ihre eigene Beziehung. Bei dem Besuch 1991 war die Kirche noch in baufälligem Zustand. Jürgen Güldner, der Reiseleiter des Chores, konnte sich noch gut an das damalige Treffen erinnern. Er zeigte sich positiv überrascht von der Entwicklung, die die Stadt Bernburg in diesen Jahren genommen hat.
"Wir sind mit der Erwartung gekommen, auch neue Leute kennen zu lernen", sagte der 70-jährige Güldner. Er habe die Hoffnung, dass die Kontakte weiter gepflegt werden. Auch Detlef König, der mit 48 Jahren zur mittleren Generation der Zöllner gehört, hofft darauf, dass noch mehr jüngere Sänger den Weg zu dem Bernburger Traditionschor finden. "Runde Jubiläen eignen sich am besten für die gemeinsamen Treffen", findet der Vorsitzende der Zöllner.
Am Vormittag waren die 18 Sänger des Reisechors der Hamburger Liedertafel, die mit ihren Ehefrauen angereist waren, von Bernburgs Oberbürgermeister Henry Schütze im Rathaus empfangen worden. Den Abschluss der Chorreise bildete am Sonntag eine Schifffahrt nach Alsleben.